Die deutsch-israelischen Beziehungen in den Geisteswissenschaften zwischen 1970 und 2000. Studien zu Wissenschaft und Bilateralität

Am 20. Oktober 1971 wurde an der Universität Tel Aviv das Institut für Deutsche Geschichte gegründet. Es war die erste Einrichtung dieser Art in Israel.

Während in den Naturwissenschaften schon Mitte der 1950er Jahre erste Kontakte zwischen deutschen und israelischen Wissenschaftlern zu einer bis heute sehr engen und erfolgreichen Zusammenarbeit führten, näherten sich Geisteswissenschaftler viel später an. Über einzelne individuelle Begegnungen von Wissenschaftlern hinaus setzten erst in den späten 1960er Jahren Überlegungen an israelischen Universitäten ein, die Auseinandersetzung mit deutscher Geschichte und Literatur im akademischen Curriculum zu verankern. Sechs Jahre nachdem das Tel Aviver Institut gegründet worden war, richtete auch die Hebräische Universität Jerusalem Lehrstühle für Deutsche Geschichte sowie für Deutsche Sprache und Literatur ein.

Diese Initiativen wurden im Wesentlichen durch deutsche Gelder ins Leben gerufen und bildeten als Institutionen eine wichtige Basis für die beginnende Zusammenarbeit zwischen deutschen und israelischen Geisteswissenschaftlern: Sie besuchten als Gastwissenschaftler das jeweils andere Land und organisierten gemeinsame Veranstaltungen, Publikationen und Forschungsprojekte.

Im Rahmen des bilateralen Forschungsprojekts werden die Anfänge dieser deutsch-israelischen Forschungszusammenarbeit in den Geisteswissenschaften am Beispiel der Germanistik und der deutschen Geschichtswissenschaft bis ins Jahr 2000 in den Blick genommen. Dabei soll nachgezeichnet werden, wie die „deutschen Fächer“ in der Lehre und Forschung in Israel unter der Beteiligung von deutschen sowie israelischen Akteuren und Einrichtungen etabliert wurden. Neben der vergleichenden Perspektive sollen dabei die Entwicklung und Besonderheiten der einzelnen Institutionen herausgestellt werden sowie die zentralen Persönlichkeiten, ihre Biographien und ihr Engagement in der Kooperation durch Zeitzeugeninterviews erfasst werden.

Forschungsfragen des Projekts sind:

Was waren die Motivationen für die Aufnahme einer Zusammenarbeit in den genannten Fächern?

Welche Folgen hatte die Zusammenarbeit mit Deutschland für die israelischen Geisteswissenschaften, sowohl inhaltlich als auch methodisch?

Gab es auch Rückwirkungen dieser Forschungskooperation auf die Geisteswissenschaften inder Bundesrepublik?

Ziel des Projekts ist es, die Bedingungen sowie die Auswirkungen von Wissenschaftsbeziehungen und Wissenstransfer im Feld der deutsch-israelischen Beziehungen auszuloten.

Das Projekt ist eine Kooperation des Fritz Bauer Instituts in Frankfurt a.M. mit dem Van Leer Jerusalem Institute und dem Franz Rosenzweig Minerva Research Center an der Hebräischen Universität Jerusalem.